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PAZ-LogoÜber unsere Tageseinrichtung erscheinen in der regionale Presse gelegentlich Beiträge, z. B. in der Peiner Allgemeinen Zeitung (PAZ) und der
HAZ-LogoHildesheimer Allgemeinen Zeitung (HAZ). Den letzten Artikel stellen wir jeweils hier vor, ausgewählte ältere finden Sie im Archiv.

PAZ vom 21. Oktober 2010


"Klein Lummerland" wird Vorbild für ganz Niedersachsen
Modellprojekt in der Krippe: Erstmals Kind mit Behinderung integriert

Modellprojekt in der Krippe: Erstmals Kind mit Behinderung integriert Wie die Integration von behinderten Kindern in der Krippe funktioniert, wird derzeit in Hohenhameln erforscht. Die Kinderkrippe "Klein Lummerland" wurde vom Kultus- und Sozialministerium für eine Studie ausgewählt.
Julia Zühlke aus Clauen spielt mit ihrer Tochter Carolina. Dem Mädchen fehlt seit der Geburt die linke Hand, es trägt eine Silikon-Prothese. sur

HOHENHAMELN. Dass ihre Tochter Carolina einmal eine normale Kinderkrippe besuchen würde, hätte Julia Zühlke vor einem Jahr noch nicht geglaubt. Dem kleinen Mädchen fehlt von Geburt an die linke Hand, sie trägt eine Prothese aus Silikon.

Doch wenn Carolina mit ihrer Zwillingsschwester Alexandra durch die Krippe tobt, sieht man ihr das Handicap kaum an. "Carolina ist viel in Bewegung und für ihr Alter sehr selbstständig", sagt Kita-Leiterin Martina Orwat. Trotzdem brauche das Mädchen besondere Hilfe, wenn es etwa mit einer Hand Klettern oder Basteln wolle.

Dass behinderte und gesunde Kinder gemeinsam betreut werden, ist im Kindergarten in Hohenhameln längst Alltag. In der Krippe fehlte bisher jedoch das Personal - schließlich seien die Betreuerinnen rund um die Uhr mit Wickeln, Füttern und Trösten beschäftigt, sagt Orwat. "Wir hatten schon einmal ein behindertes Kind in der Krippe, konnten es aber nicht behalten", so die Kita-Chefin. "Es war einfach nicht möglich, das Kind mit zwei Betreuern zu versorgen. Jetzt ist es in einer heilpädagogischen Einrichtung."

Inzwischen finanziert die Gemeinde eine dritte Erzieherin für die Krippe, und das Land Niedersachsen bezahlt eine Heilpädagogin, die zehn Stunden pro Woche bei der Betreuung hilft. Denn "Klein Lummerland" wurde als eine von zwölf Krippen für eine Studie des Kultus- und Sozialministeriums ausgewählt. Zwei Jahre lang wird das Modellprojekt wissenschaftlich begleitet, Carolina wird zum Forschungsgegenstand. Die Ergebnisse sollen laut Orwat in ein Gesetz zur integrativen Betreuung in Kinderkrippen einfließen. sur

HINTERGRUND: Gemeinde unterstützt Projekt

"Ohne die Unterstützung der Gemeinde könnten wir uns nicht an dem Modellprojekt beteiligen", sagt Kita-Leiterin Martina Orwat. 20.000 Euro pro Jahr gibt Hohenhameln für die dritte Betreuungskraft in der Krippe aus. Und wenn das Projekt in zwei Jahren ausläuft, könnten nochmals 12.000 Euro für die Stelle der Heilpädagogin dazukommen. Laut Rolf Bettels von der Gemeinde ist das eine grundsätzliche Entscheidung für mehr Qualität in der Bildung. Nach Orwats Meinung müsste aber noch mehr getan werden: "Die zehn Stunden, in denen die Heilpädagogin da ist, reichen hinten und vorn nicht", sagt sie. sur

Braunschweiger Zeitung vom 21. Oktober 2010


In der Krippe spielt Behinderung keine Rolle
Hohenhamelner Kindergarten beteiligt sich an einem landesweiten Modellprojekt - Eltern Mut machen

Von Harald Meyer

HOHENHAMELN. Carolina ist gerne in Bewegung, am liebsten schaukelt und klettert sie: Das alles stellt den Blondschopf mit seinen 21 Monaten jedoch oft vor neue Herausforderungen - eine Silikonprothese ersetzt Carolina den linken Arm.

Das Mädchen besucht die Krippengruppe des evangelischen Kindergartens in Hohenhameln, Kreis Peine. Ihre Mutter Julia Zühlke ist dafür sehr dankbar: "Carolina ist die Attraktion in der Gruppe, weil die Kinder eine Silikonhand noch nicht gesehen haben und sie anfassen wollen." Die 37-Jährige freut sich, dass sich "die Kinder gegenüber Carolina noch nie abweisend verhalten haben - ganz im Gegenteil".

Julia Zühlke

"Die Kinder haben sich gegenüber Carolina noch nie abweisend verhalten - im Gegenteil."
Julia Zühlke, Mutter von Carolina

Diese integrative Betreuung von Krippenkindern mit und ohne Behinderung ist ein zweijähriges Modellprojekt des Landes: Die Hohenhamelner Einrichtung beteiligt sich daran wie landesweit elf andere Kindergärten, die dabei wissenschaftlich begleitet werden. Das Land finanziert unter anderem die zehn Stunden pro Woche, in denen sich die Heilpädagogin Kristina Bögershausen um Carolina kümmert.

Julia Zühlke will mit ihrem Schritt an die Öffentlichkeit anderen Eltern behinderter Kinder Mut machen, denn Hohenhamelns Kindergartenleiterin Martina Orwat weiß: "Manche Eltern wehren sich, die Behinderung ihres Kindes anzuerkennen, befürchten, dass ihre Kinder mit einem Stempel versehen werden, oder haben ein schlechtes Gewissen." Um beim Modellprojekt in die integrative Krippenbetreuung zu kommen, muss die Behinderung von einem Arzt festgestellt werden.

Martina Orwat findet deutliche Worte: Ihre Krippe könne diese integrative Betreuung für Carolina nur leisten, weil die Gemeinde Hohenhameln drei - statt vorgeschrieben zwei - Erzieherinnen eingestellt habe. Dazu komme die Heilpädagogin, wobei "die zehn Stunden pro Woche bei weitem nicht ausreichen", klagt Martina Orwat.

Braunschweiger Zeitung, Beilage Peiner Nachrichten
vom 21. Oktober 2010


Carolinas Arm weckt Neugierde
Hohenhamelner Kindergarten bietet integrative Betreuung für unter Dreijährige an

Leckere Torten und Kuchen in der Cafeteria

Fühlt sich wohl in der Krippe: Carolina (vorne, Zweite von rechts) auf dem Knie ihrer Mutter Julia Zühlke. Hinten von links: Heilpädagogin Kristina Bögershausen, Erzieherin Marike Seiffert, Pastor Hans Schweda, Kindergartenleiterin Martina Orwat und Rolf Bettels (Gemeinde Hohenhameln). Foto: Bode

Von Harald Meyer

HOHENHAMELN. Gerade schiebt Carolina ein paar Plastikstücke zwischen zwei Stangen - mit dem rechten Arm. Denn der linke Arm des Mädchens ist eine Prothese. In der Krippe des Hohenhamelner Kindergartens jedoch spielt das keine Rolle: Carolinas Behinderung weckt vielmehr die Neugierde der Kinder.

Die evangelische Einrichtung in Hohenhameln gehört zu den rund 100 Kindergärten, die sich am landesweiten Modellprojekt "integrative Betreuung in Krippen" beteiligen. Geplant ist, Erfahrungen zu sammeln, um 2013 eine solche Betreuung landesweit einzuführen.

Fast schon ein gewohntes Bild ist die gemeinsame Betreuung von Kindern mit und ohne Behinderung in Kindergärten. Das sei aber etwas ganz anderes als die Betreuung von Krippenkindern - also von unter Dreijährigen, vergleicht die Hohenhamelner Kindergartenleiterin Martina Orwat. Schon alleine aufgrund ihres Alters hätten Krippenkinder ganz andere Ansprüche als Kindergartenkinder. "Krippenkinder wollen krabbeln", sagt Martina Orwat mit Blick auf Carolina. Ihre Mutter Julia Zühlke aus Clauen bestätigt: "Manchmal überschätzt sich Carolina ein wenig."